Freitag, 4. Juli 1997
Neue Zürcher Zeitung ZÜRCHER KULTUR Montag, 23.06.1997 Nr. 142 24
Lasst uns halbe Oper machen!
Purcells «The Fairy-Queen» in Thalwil
P. Mü. «Dieser grüne Fleck soll unser Theater sein, diese Weissdornhecke unsre Kammer zum Anziehn»: In Thalwil hat man sich das Motto des linkischen Zimmermanns Peter Squenz aus Shakespeares Sommernachtstraum zum eigenen gemacht. Denn: Thalwil ist nicht London. Da ist keine königliche Schauspieltruppe, die, wie im ausgehenden 17. Jahrhundert, Henry Purcells Semioper «The Fairy-Queen» mit hehrem Pomp und Prunk auf die königinlichen Bretter bringen könnte. Doch: Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, Purcells lockere Shakespeare-Adaption lässt sich mit einigen gezielten, aber liebevollen Hieben leicht auf die entsprechende Grösse einer Zürcher Vorortsgemeinde zurechtzimmern. Aus dem vielstündigen Spektakel ist so ein charmantes, gut anderthalbstündiges Intermezzo geworden; drei Blasinstrumente und ein Keyboard Marke Kurzweil vertreten das Orchester; ein grüner Fleck des Thalwiler Waldes hätte als Theater gedient, der Vollmond als Lampe, der Himmel als Dach - doch dieser hat morgens aus Vorfreude geweint. Und so hat die Initiantin Cornelia Jeger, selbst Sängerin, ihr vornehmlich aus Elfen und Trollen bestehendes «Fairy-Queen»- Ensemble im Thalwiler Schützenhaus vielzüngig und -beinig um sich versammelt: Die allerliebsten Akteure, drei Chöre und eine Handvoll Solisten verströmen ihren süssen Odem, ein Kinder- und ein Jugendballett mimen Komödie. Und im Spiel zwischen den professionellen Künstlerinnen und den Laiendarstellern (Amateure im Wortsinn sind sie alle) entfaltet sich jener eigentümliche Charme, den ganz zu geniessen Eingeweihten - sprich: Einheimischen - vorbehalten ist.
Thalwil, Schützenhaus, 20. Juni.
© AG für die Neue Zürcher Zeitung NZZ 1997